Deux fragments de la clef de voûte à l'Annonciation
Poitiers (86) - Musée Sainte-Croix
Musées de Poitiers, Christian Vignaud
Jedes der beiden Fragmente des Schlusssteins zeigt eine Figur. Auf dem roten Hintergrund (datiert auf das 19. Jahrhundert) sitzt eine Frau in einem langen gelben Kleid, das noch Spuren von Vergoldung aufweist, und einem weiten blauen Mantel, der mit einer Kordel um den Hals gebunden ist. Sie hebt ihre Arme zu beiden Seiten des Körpers. Auf demselben roten Hintergrund zeichnen der goldene Flügel, der strahlende Heiligenschein, das Obergewand, eine Dalmatik und eine Lilie einen Engel auf dem zweiten Fragment, links vom Schlüssel, aus. Das Hauptattribut des Engels: die Lilie, lässt keinen Zweifel an der Identität der Figur auf der linken Seite: Es handelt sich um den Erzengel Gabriel. Er steht der Frau im rechten Fragment gegenüber und hält zwischen ihnen diese Blume, ein Symbol für Jungfräulichkeit und Reinheit. Durch das Öffnen ihrer erhobenen Arme drückt die Frau entweder ihre Überraschung oder ihre Zustimmung aus. Der oben auf dem Fragment des Erzengels sichtbare Ausriss wirft zwei Hypothesen auf: Es könnte sich um ein Phylakterium oder um die Taube des Heiligen Geistes handeln. Beide Formeln kommen im 15. Jahrhundert vor und es gibt auch Darstellungen, auf denen beide Komponenten zu sehen sind. Die dynamische Darstellung des Erzengels im Dreiviertelformat und seine auf die Jungfrau gerichteten Gesten finden ihre Antwort in der Jungfrau selbst, die frontal in einer angehaltenen Bewegung dargestellt wird. Trotz der Einschränkung durch den kreisförmigen Rahmen ist die Szene, die zwei Protagonisten mit horizontaler Gestenkommunikation zwischen ihnen einschließt, sehr gut lesbar und die Erzählung klar und effektiv. So ist die Szene trotz der Verstümmelungen, die dieser Schlussstein erlitten hat, verständlich: Es handelt sich um eine Verkündigung. Das Lukasevangelium (I 26-38) kann als wesentliche Textquelle für diese Darstellung angesehen werden. Diese Darstellung ist in einer Kirche der Cordeliers nicht verwunderlich. Diese trugen nämlich seit dem 13. Jahrhundert zur Verbreitung und Entwicklung der Marienfrömmigkeit bei.